#18 –  Warum Hunger nicht der einzige Grund für das essen ist

#18 – Warum Hunger nicht der einzige Grund für das essen ist

Montag, 04 Februar 2019 16:43 Gelesen - 100 mal

 

 

Ich liebe es zu essen, du auch?  Ein ausgiebiges Abendessen nach einem stressig Arbeitstag, ein romantisches Dinner, ein Brunch mit Freunden oder ein Essen im Kreise der Familie – es gibt so viele Momente in denen essen zu etwas ganz Besonderem wird. Nüchtern betrachtet ist essen aber etwas ganz Simples: Ein lebensnotweniger Vorgang. Warum aber sehen wir im Essen so viel mehr als das? 


Gedanken beeinflussen unsere Emotionen & Gefühle 


Im Laufe unsers Lebens machen wir unterschiedliche Erfahrungen. Diese Erfahrungen werden mit Emotionen (positiv, negativ oder neutral) in unserem Gehirn abgespeichert und sind Richtungsweiser für zukünftige Erlebnisse. Angenommen du machst folgende Erfahrungen beim Grillen (BBQ): Grillen ist Action, du probierst tolle Rezepte aus, die Stimmung ist gut, du hast Spaß und das Essen schmeckt großartig. Diese einzelnen Aspekte werden nun als positive Erinnerung abgespeichert. 

 

Photo by Tim Wright on Unsplash


Alle Informationen die du von deinen Sinnesorganen (Ohren, Augen,  Körper, Mund..) erhältst, werden in deinem Rechenzentrum, dem Gehirn, zunächst einmal analysiert und bewertet (positiv, negativ oder neutral). Wird die Information besonders positiv bewertet, werden Glückshormone, bei besonders negativen Gedanken werden Stresshormone ausgeschüttet. 

Nehmen wir an, du wirst nach deinen ersten positiven Grillerlebnissen von einem Freund gefragtob ihr am kommenden Wochenende gemeinsam grillen wollt. Dein Gehirn ruft nun unbewusst alle Informationen ab, die zu dem Thema „grillen“ gespeichert sind: Das gemeinsame Lachen, die Freude, der Spaß, das tolle Essen.... Das anstehende Grillevent wird mit großer Wahrscheinlichkeit Vorfreude bei dir auslösen. Das Interessante ist, dass uns unsere Gedanken dazu noch nicht einmal bewusst sein müssen! 


Übrigens: Je bewusster du deine Aktivitäten erlebst (=Achtsamkeit), desto intensiver und detailreicher werden deine Erinnerungen und die damit verbundenen, positiven und auch negativen Gefühle sein. Für das essen bedeutet das, je bewusster du isst und je bewusster du jeden einzelnen Bissen genießt, desto mehr Genuss kannst du aus dem Essen ziehen und umso schneller bist du auch satt. Du isst weniger, erlebst aber mehr Genuss und Befriedigung. Klingt das nicht toll?

Photo by Alexandra Goran on Unsplash

 


Beim Essen wird unser Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert ...  


Aber das ist noch nicht alles! Wenn wir essen (vor allem Energiereiches) schüttet unser Körper Dopamin (also Glückshormone) aus. Wir werden quasi von unserem Körper belohnt weil wir gegessen haben. Dieses Dopamin verstärkt in Folge das tolle, freudige Gefühl das wir beim Essen erleben. Und so lernen Menschen, dass essen zu einem angenehmen und guten Gefühl führt. 
Dieses System stammt noch aus der Urzeit. Um zu überleben brauchte der Mensch ein System, das motiviert und animiert. Ein System, das zum Essen antreibt und dafür sorgt, dass er nicht verhungert. Überleg´ doch mal: Dinge, die dir Freude bereiten, machst du gerne. In Zeiten der Lebensmittelknappheit war das ein tolles System. In der heutigen Zeit ist das natürlich nicht mehr zweckmäßig, denn es gibt ja genug zu essen. 
Und so wird das Belohnungssystem heute aktiv „genutzt": Sind wir traurig, essen wir Schokolade. Sind wir frustriert, essen wir Chips. Ist uns langweilig, wird der Kühlschrank geplündert. Hatten wir einen harten Arbeitestag, gibt es zur Entspannung Alkohol, haben wir Sport gemacht, belohnen wir uns mit einem guten Essen usw... Essen hat eine Funktion übernommen: trösten, Freude bereiten, belohnen, entspannen... 

 


Emotionen können unser (Ess) Verhalten beeinflussen 

 

Schon einmal Gusto auf Essen bekommen, nachdem du auf Instagram gesurft bist, eine Schokoladenwerbung oder Kochsendung im Fernsehen gesehen oder nachdem du ein Lokal ohne Hunger betreteten hast und letztendlich trotzdem etwas bestellt hast? Ja? Ich auch!

Photo by Fancycrave on Unsplash


Dafür sind zwei Prozesse verantwortlich: 


Prozess 1: Wie du am oben genannten Beispiel gesehen hast, beeinflussen Gefühle in weiterer Folge direkt unser Verhalten (weinen, lachen, grinsen, Vorfreude...). Wenn du ein Lokal ohne Hunger betrittst, wirst du vielleicht dennoch „einfach so“ die Speisekarte durchsehen. Selbst wenn du das nicht tust, wirst du den Geruch der Speisen im Lokal wahrnehmen oder die servierten Speisen sehen. Dabei werden deine gespeicherten Informationen inklusive Bewertungen und Emotionen aus deinem Gehirn abgerufen. 
Und das klingt dann so:

  • „Oh, ich liebe Pizza – wie gut die doch letzthin geschmeckt hat.“,
  • „Oh, Salat mit Halloumi – den habe ich schon so lange nicht gegessen.“, ODER so
  • „Ich liebe Lachssteak, das sieht hier total lecker aus!“ usw....

Alleine die Erinnerung an den Geschmack oder die Erinnerung an das tolle Ambiente in dem du deine letzte Pizza gegessen hast, lösen starken Gusto aus.
 
Dazu kommt Prozess 2: Unser Urzeitsystem springt bei jedem ihm präsentierten Lebensmittel an. Der Geruch von Essen auf der Strasse, das Sehen von Speisen in Zeitschriften oder das Hören von knackenden Chips führt dazu, dass sich dein Körper sofort auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet und das Hungerhormon Ghrelin ausschüttet. Das was du hier erlebt hast, ist kein echter Hunger, aber es fühlt es so an.

Ist das nicht unglaublich? Und da sagt noch einmal jemand Psyche und Körper hängen nicht zusammen... 
Das alles sind Gründe dafür, warum du beim essen besonders achtsam sein solltest. Versteh mich nicht falsch, es ist nicht schlimm wenn du isst obwohl du keinen Hunger hast, aber es wird schlimm, wenn dir das nicht bewusst ist. Wenn du immer ist, obwohl du keinen Hunger hast, wirst du verlernen wie sich Hunger und Sättigung anfühlen und du wirst deine Nahrungsaufnahme nach anderen Signalen steuern. Du wirst dann essen, wenn du gelernt hast, dass du essen sollst: Zu bestimmten Uhrzeiten, aufbestimmen Events, dann, wenn dir eine Diät sagt, dass du essen darfst usw...  Dein Essverhalten wird dann zur Gewohnheit und läuft immer automatischer ab.   


Wir haben essen von dem Entkoppelt was es eigentlich ist.


Essen so viel mehr als nur Nahrungsaufnahme WEIL

  • Essen gemeinsam mit Emotionen abgespeichert wird und Emotionen die Basis unseres Verhaltens sind
  • Beim Essen Glückshormone ausgeschüttet werden
  • Essen mit bestimmten Situationen verknüpft und auf Dauer dann zur Gewohnheit wird

 

Für die nächsten Wochen möchte ich dir folgende Gedanken mitgeben:

  • Schon mal ganz automatisch Popkorn oder Nachos im Kino bestellt ohne weiter drüber nachzudenken?
  • Afterwork schon einmal ohne Bier oder Spritzer genossen?
  • Grillen und Alkohol – warum gehört das zusammen wie das Amen im Gebet?
  • Gibt es andere Möglichkeiten, Kindern eine Freude zu machen außer mit Süßigkeiten?
  • Schon einmal ganz bewusst hinterfragt, warum du gerade zu Süßigkeiten greifst?
  • Schon einmal  verschiedene Techniken oder Aktivitäten ausprobiertdie helfen, den Alttagsstress abzubauen? 
  • Schon einmal daran gedacht selbst gebackenes Brot, Müsli, Gewürzmischungen, Öl etc... zu verschenken anstatt Gekauftes etc..?

In welchen Situationen läuft bei dir der „Automatik-Modus“ ab? Drücke bei genau diesen oder oben genannten Situationen die Pause-Taste, atme ein paar mal tief durch und überlege ob es eine Alternativ gibt, die für DICH besser passt.
 
Wenn dir mein Texte gefallen hat, freue ich mich über deine Bewertung und/oder ein Kommentar 
 

 

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